Natur und Therapie III (1)

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Ausbildung psychologische Naturtherapie

 

 

G r u n d k u r s  2 02 0:

Natur und Therapie III

Das erlebensorientierte therapeutische Arbeiten

in und mit der Natur

 

 

Der Erlebensraum ‚Natur’ hat sich seit jeher als besonders geeignet für therapeutische Zwecke erwiesen. Für den überzivilisierten Menschen unserer Zeit ist er geradezu prädestiniert, Erfahrungen zu ermöglichen, die seiner Selbst-entfremdung entgegenwirken, ihn wieder rückbinden in der Schicht des Lebens und dabei innerlich wachsen und genesen lassen. Auch die wissenschaftliche Forschung der letzten zwanzig Jahre hat in beeindruckender Weise nachgewiesen, welch positive Wirkung das In-der-Natursein gerade für den modernen Menschen unserer Zeit hat, nicht nur im Hinblick auf seine physische, sondern vor allem auch im Hinblick auf seine psychische und geistige Gesundheit.

 

Deshalb verspüren viele Frauen und Männer aus den verschiedenstentherapeutischen und pädagogischen Tätigkeitsfeldern das Bedürfnis, das Erlebensfeld Natur in ihre Arbeit zu integrieren und für Ziele der persönlichen Entwicklung und Gesundheit einzusetzen. An sie richtet sich dieses Ausbildungsangebot.

 

Naturtherapie

Das „Erlebensorientierte therapeutische Arbeiten in und mit der Natur (Naturtherapie)“ © ist eine spezielle, psychologisch fundierte Therapieform, in der der Erfahrungsraum Natur für therapeutische Zwecke eingesetzt wird. Sie wurde von Wernher P. Sachon entwickelt und seit 1992 an der Schule für Naturtherapie gelehrt. Die Naturtherapie zielt sowohl auf Selbsterkenntnis und Selbsterweiterung, auf die Entwicklung und Reifung des Selbst in allen Lebensphasen,  wie auch auf Prävention, Genesung und die Stärkung von Resilienz und der Fähigkeit zur Heilung. Als eine salutogene Therapieform findet sie Anwendung im gesamten Gesundheitsbereich und auch in klinischen Settings.

 

Entscheidend für den naturtherapeutischen Ansatz ist die Herstellung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung im Sinne einer entwicklungsfördernden ‚einbindenden Kultur’ (Kegan). ‚Therapie’ im hier verwendeten Sinne meint in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen therapeia ein 'Begleiten', d.h. eine personale und dialogische Beziehung zu einem anderen Menschen, die einen wirksamen Rahmen zur Verfügung stellt für Entwicklungs- und Übergangsprozesse, für Prozesse des Erkennens, Erweiterns und Stärkens des Selbst, insbesondere im Hinblick auf seine Zentrierung, seinen inneren Zusammenhalt (Kohärenz) und seine Widerstandskraft.

 

Die (Er)Lebensorientierung und das Selbst-Natursein

Die zunehmende Funktionalisierung und Verobjektung des Menschen in unserer Zeit hat ihn von seiner eigenen (Er)Lebensgrundlage in einem bisher noch nicht gekannten Ausmaß entfremdet. Im Mittelpunkt der Naturtherapie steht deshalb der Mensch als Subjekt seines Lebens, d.h. nicht nur als ein empirisches, sondern als ein erlebendes Selbst. 

Die Wiederherstellung der Erlebensfähigkeit, des Leibseins und die Fähigkeit zur Unmittelbarkeit sind dabei von herausragender Bedeutung. Nur im unmittelbaren und leiblichen Erleben erfassen wir die Welt nicht bloß kognitiv, sondern können sie auch spüren, in einer Resonanzbeziehung zu ihr stehen, können wir am Lebensprozess teilhaben, insbesondere am Lebensprozess, der wir selber sind. Dazu benötigen wir eine Haltung von Empfänglichkeit, Offenheit und Durchlässigkeit, die uns auch befähigt, am Erleben anderer Menschen auf therapeutische Weise empathisch teilzuhaben. Diese Offenheit verlangt von uns einen gewissen Mut, nämlich den Mut, das eigene Lebendigsein erst einmal so zu nehmen, wie es im unmittelbaren Erleben auf uns zukommt. Dies ist der Boden, in dem unser Dasein gründet, nicht unsere gelernte Reaktivität

 

In der immer wieder geübten therapeutischen Weise des In-und-mit-der-Natur-Seins können Menschen ihr Dasein wiedergewinnen und dabei genesen. In der Offenheit gegenüber all dem  Lebendigen der Natur kann die gewohnte Selbstentfremdung durch ständiges Nach-denken und Vor-stellen in den Hintergrund treten:. Wenn uns in der Natur-draußen das Lebendige wieder ansprechen und berühren darf, dann öffnet sich auch die nach innen verkapselte Seele, denn in der Berührung mit der Natur berühren wir auch uns selbst von innen her., kommen uns selbst wieder nahe. Das kann einen tiefen Prozess der Öffnung für das Leben einleiten, insbesondere auch für das Leben, das wir selber sind. Selbstempathie und Selbstakzeptanz sind  grundlegende Voraussetzungen für  Seelenfrieden und Heilung.

 

Im therapeutischen In-der-Natursein kommen Menschen auch wieder in Kontakt mit ihrer eigenen Instinktnatur, mit primitiven (lat. primitivus, der erste seiner Art) und animalischen Impulsen (lat. anima, Seele). Eine solche Wiedergewinnung des Selbst-Naturseins ist für den denaturierten Menschen unserer Zeit eine Grundbedingung zur Wiedererlangung seines vollen Menschseins. Denn Mensch sind wir immer nur als Ganzes, d.h. nicht nur in dem, was uns von der Tier- und Pflanzenwelt unterscheidet, sondern auch in dem, wo wir selber Natur sind. Wir dürfen heute unser Menschsein und Natursein nicht mehr getrennt voneinander oder gar als Gegensatz denken. Ein denaturiertes Leben ist immer auch ein dehumanisiertes Leben, denn es schneidet uns von dem Wurzelgrund unseres Menschseins ab.

 

Dies ist ein bedeutsamer Faktor auch für unsere seelische Gesundheit, vor allem im Hinblick auf die Überwindung von Fragmentierung, Entfremdung, Bodenlosigkeit und Narzissmus. Das Selbst-Natursein des Menschen manifestiert sich in einer weltoffenen, selbstbewussten, starken und instinktsicheren Leiblichkeit, in der Fähigkeit zu Bindung und Empathie  und insbesondere auch in der natürlichen organismischen Fähigkeit zu Selbstregulation und Selbstheilung.

 

 

„Wann immer wir mit der Natur in Berührung kommen werden wir sauber. (...) Menschen, die durch zuviel  Zivilisation schmutzig geworden sind, machen einen Waldspaziergang oder baden im Meer. Sie mögen das auf diese oder jene Weise rationalisieren, aber faktisch werfen sie die Fesseln ab und gestatten der Natur, sie zu berühren. Das kann innerlich oder äußerlich geschehen ... das ist dasselbe, die Dinge kommen wieder in Ordnung.“ (C.G. Jung)

 

Der Therapieansatz

Die Naturtherapie, wie sie an unserer Schule gelehrt wird, ist eine spezielle, naturbasierte Therapieform, die im Feld der humanistisch-existenziellen Psychotherapie angesiedelt ist. Als solche ist sie immer p e r s o n a l e  Therapie. Sie ist tiefenpsychologisch insoweit, als sie sich nicht nur mit den Problemen beschäftigt, sondern vor allem mit den psycho-somatischen Strukturen und Grundhaltungen, die diese immer wieder hervorbringen. Deshalb üben wir in den Grundkursen das therapeutische Arbeiten auf drei unterschiedlichen strukturellen Ebenen: Der Ebene des Selbst (I), der charakteristischen Persönlichkeit mit ihren Mustern (Schemata) (II) und der Archetypen (III). Im vierten Grundkurs bewegen wir uns mit diesen Sichtweisen im Kontinuum Krankheit – Gesundheit.

 

Den therapeutischen Veränderungsprozess konzipieren wir in der Naturtherapie als Entwicklungsprozess. Unser Grundverständnis von Therapie ist b e z i e h u n g s o r i e n t i e r t, das heisst: (Psycho)Therapie ist seinem Wesen nach ein sozialer, ein zwischenmenschlicher Prozess, in dem sich Menschen entwickeln und verändern können. Neue Erfahrungen des Selbst im Erlebens- und Resonanzraum Natur, die sich oft deutlich von unserem Alltagserleben unterscheiden, ermöglichen dann eine therapeutische Veränderung, wenn sie in den Kontext einer entwicklungsfördernden therapeutischen Beziehung eingebunden sind. Die therapeutische Arbeit in der naturtherapeutischen Gruppe oder Einzelbeziehung ist deshalb für uns von entscheidender Bedeutung.

 

Die Lehr- und Lernmethode

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen in diesem Kurs durch Vortrag und Diskussion, durch Selbsterfahrung, Übung,

Falldokumentation und supervisorische Bearbeitung von Praxiserfahrungen. Wir arbeiten personzentriert, d.h. die Entwicklung der Person steht auch in unserer Ausbildung im Mittelpunkt. Der Beziehungsraum der Gruppe ist unser zentrales Lern- und Übungsfeld. Unsere gemeinsame Arbeit wird unterstützt durch eine Gruppenatmosphäre von Offenheit und Wahrhaftigkeit, durch Freiheit von Beurteilung und durch die persönliche Begegnung.

 

Das Lernen in der unmittelbaren persönlichen Erfahrung hat dabei einen hohen Stellenwert.  Dieses phänomenologische Lernen wird möglich, wenn wir in der Lage sind, unser eigenes Erleben interessiert und möglichst wertungsfrei teilhabend anzuschauen. Wir können dabei die zentrale therapeutische Fähigkeit entwickeln, in der persönlichen Präsenz stabil zu bleiben, auch wenn wir Ungewohntes oder Problematisches erleben. Dieser Kurs dient deshalb nicht nur der fachlichen Fortbildung, sondern auch der persönlichen Entwicklung der TeilnehmerInnen.

 

Kursziele

Dieser Ausbildungskurs ist berufsbegleitend und soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem selbständigen therapeutischen Arbeiten in und mit dem Erlebensraum Natur befähigen, insbes. zur fachkundigen Anwendung spezieller naturtherapeutischer Instrumente und Methoden.

 

In den vier Kursjahren lernen wir, das Erleben und Verhalten des Menschen auf unterschiedlichen strukturellen Ebenen und durch unterschiedliche psychologische 'Brillen' anzuschauen. Wir erarbeiten uns die dafür notwendigen Basiskonstrukte und theoretischen Grundlagen  und eröffnen uns dadurch unterschiedliche Möglichkeiten therapeutischen Handelns.

 

Die thematischen Schwerpunkte der Kurse I - IV

 

Kurs I  ( 2022) Selbstpsychologie  (120 LE)

Vom Begriff der Seele zum psychologischen Begriff des Selbst. Grundlagen der Selbstpsychologie, ihre zentralen Theorien und Ansätze. Die Problematik des narzisstischen Selbst. Therapeutische Stile und Interventionen in der Arbeit mit Selbstprozessen, insbes. das empathische Spiegeln.

Naturtherapie: Das Selbst-Natursein des Menschen. Das Selbst im Spiegel der Naturerfahrung. DerjahreszeitlicheKreis desSelbst. Die therapeutische Arbeit mit dem Kreis des Selbst.

 

Kurs II  (2023) Charakter- und Persönlichkeitspsychologie  (120 LE)

Grundlagen der Charakter- u Persönlichkeitspsychologie, insbes. die Basisbegriffe: Muster, Charakter, Abwehr. Charaktertypologie und Charakterneurose. Therapeutische Stile und Interventionen in   der Arbeit am und mit dem Charakter, insbes.: die Arbeit im ‚Hier und Jetzt‘ und  das therapeutische ‚Feedback’.

Naturtherapie: Im Freien – das therapeutische In-der-Natur-Sein als Schwellenraum, als offener Erfahrungsraum. ‚Walking‘ (H._D. Thoreau). ‚Weg’ und ‚Platz’ als Foki.

 

Kurs III  ( 2020) Archetypische Psychologie   (120 LE)

Grundlagen und Basisbegriffe: Archetyp, Symbol, Mythos, Ritual. Schwerpunkte: Mutterarchetyp, Vaterarchetyp, verschiedene Naturarchetypen. Die archetypischen Bewegungen des Spiraltanzes und der Heldenreise. Die Arbeit am persönlichen Mythos. Die therapeutische Symbolarbeit.

Naturtherapie: Archetypische Erfahrungsaspekte im Naturerleben. Die Arbeit mit Natursymbolen. Die Jahreszeitensymbolik. Die rituelle Therapie der Vier Schilde. Erzähle dich selbst - die therapeutische Bedeutung des Erzählens; das rituelle naturtherapeutische ‚Council’.

 

Kurs IV  ( 2021) Natur und Gesundheit   (120 LE)

Grundlagen und Basisbegriffe der Salutogenese, insbes.: Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und Kohärenzempfinden (sense of coherence) Das Konzept psychischer Gesundheit bei Heinz Kohut (Selbstpsychologie), C.G. Jung und A. Antonovsky. 

Naturtherapie: Natur als Übung. Der Übungs-Ansatz von Karlfried Graf Dürckheim (personale Leibtherapie). Übungsformen der Erdung, der Sinne und des Leibseins, der Durchlässigkeit, Achtsamkeit und Unmittelbarkeit. Das ‚Drinsein‘ in der Natur. Der therapeutisch begleitete Übungsspaziergang.

 

Organisatorisches

Ablauf und Struktur des Kurses

‚Natur und Therapie’ ist der Grundkurs unserer Ausbildung. Er ist zahlenmäßig begrenzt, um ein persönliches Arbeiten zu ermöglichen. Er erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Anmeldungen beziehen sich jedoch jeweils nur auf ein Jahr, d.h. jeder Teilnehmer ist nur für ein Jahr gebunden und macht bei einem Ausscheiden für neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer Platz. Ein Einstieg ist also jedes Jahr möglich, soweit bisherige Teilnehmer ausscheiden. Nach Ablauf der vier Jahre beginnt das Curriculum von vorne.

 

Teilnahmevoraussetzungen

Eine abgeschlossene Berufsausbildung im pädagogisch-therapeutischen Bereich ist hilfreich, aber keine unabdingbare Voraussetzung. Notwendig ist jedoch die ernsthafte Bereitschaft, sich auf eine intensive Selbsterfahrung einzulassen und an der eigenen Haltung zu arbeiten.

Für die Anmeldung ist eine kurze schriftliche Bewerbung notwendig, in der die derzeitige berufliche Tätigkeit, Lebenssituation und die Motive für die Teilnahme dargelegt sind, ferner die Teilnahme an einem Einführungskurs oder ein Vorgespräch mit einem Kursleiter.

 

Termine Grundkurs III  (2020):

 

Mo. 27.04.,14.30h – Fr, 1.05.,13.00h ;   Mo, 6.07., 14.30h – Fr, 10.07.,13.00h und

Mo, 28.09., 14.30h – Fr, 2.10.,13.00h

 

 

Ort: Die Kurse finden statt im Gruppenraum des Bildungshofs Preißinger, einem bäuerlichen Seminarhaus im oberen Mindeltal, Landkreis Unterallgäu. Anschrift: 87782 Oberegg, Obere Hauptstr. 55, Tel. 08269 – 1047

 

Unterkunft, Verpflegung: Unterkunft im Bildungshof Preißinger möglich in einfachen Zwei-, Drei- und Mehrbettzimmern bzw. Zeltplatz mit Verpflegung oder in Einzelzimmern/Ferienwohnungen in der nahen Umgebung. Für die Buchung der Unterkunft auf dem Bildungshof Preißinger sind die TeilnehmerInnen selbst zuständig. (Mail: marlene.preissinger@web.de)

 

Anmeldung (schriftlich, mit dem Anmeldeformular):Schule für Naturtherapie,Postf. 1620, D-86819 Bad Wörishofen

 

Teilnahmegebühr:  940,- €

 

Kursleitung: Dr. Wernher P. Sachon (Gesamtleitung) und Christine Lallinger

 

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Anmeldeformular zum Download

application/pdf Anmeldeformular als PDF-Datei (50,5 KiB)